Wissen und Lernen
Der Motor für die Entwicklung der Menschheit ist die Neugierde und die Entdeckungsfreude der einzelnen Menschen. Sie erlauben es ihm Risiken einzugehen und etwas Unbekanntes anzugehen. Ausgehend vom Potential (den Fähigkeiten, die einem Menschen gegeben sind) werden über Lernprozesse und das erworbene Wissen Leistungen erzielt. Ein hohes Potential ist mit einer raschen Auffassungsgabe und einer hohen Fähigkeit zum Schlüsse ziehen und zum vernetzten Denken verbunden. Es führt bei guten Bedingungen schon bei Kindern zu aussergewöhnlichen Leistungen. Die Entstehung dieser Leistungen und wie sie im Laufe der Zeit verändern oder nicht sollen an dieser Stelle dargestellt werden.
Das Gehirn ist kein Buch,
das einmal voll geschrieben für die Ewigkeit erhalten bleibt,
sondern entspricht eher dem Internet,
mit seinen zahlreichen Beiträgen, chaotisch oder geordnet,
aber auf jeden Fall im ständigen Wandel begriffen.
Autor unbekannt
Eine wichtige Rolle spielt dabei die Plastizität des Gehirns, das heisst seine Fähigkeit, sich immer wieder neu den Gegebenheiten anzupassen. Von besonderem Interesse sind seine Auswirkungen auf das Lernen. Dabei stehen die folgenden Fragen im Zentrum:
- Wie beeinflussen die Vorgänge im Gehirn das Lernen?
- Einmal gelernt, Wissen für immer?
- Fazit: Welche Konsequenzen müssen gezogen werden?
Die Informationen wurden dem Vortrag " Das begabte Gehirn" von Prof. Lutz Jänke und dem Artikel "Frühe Förderung und lebensbegleitendes Lernen aus neurologischer Sicht" von Prof. Willi Stadelmann entnommen.
Wie beeinflussen die Vorgänge im Gehirn das Lernen?
In seinen Vorträgen und Arbeiten weist Prof. Dr. Willi Stadelmann, Direktor an der Pädagogischen Hochschule Zentralschweiz in Luzern, immer wieder auf die Plastizität des Gehirns hin. Das Gehirn und alles was in ihm gespeichert ist, ist nicht fix, sondern verändert sich stetig und passt sich neuen Gegebenheiten an. Dies ist in der heutigen Zeit besonders wichtig, in der einmal gelerntes Wissen nicht mehr ein Leben lang aktuell und anwendbar ist. Flexibles, vernetztes Denken kombiniert mit einem selbstbewussten und sicheren Umgang mit den eigenen Fähigkeiten und Ressourcen ermöglichen es sich immer wieder neuen Lebenssituationen anzupassen. Diese Art des Denkens liegt überdurchschnittlich und hoch begabten Kindern. Sie kann im Förderunterricht gezielt trainiert werden.
Alles Flexible und Fliessende neigt zu Wachstum,
alles Erstarrte und Blockierte verkümmert und stirbt.
Lao Tse
Auch in seinem Artikel "Frühe Förderung und lebensbegleitendes Lernen aus neuropsychologischer Sicht (siehe unter Forschung: lebensbegleitendes Lernen)" zeigt er auf, wie die Vorgänge im Gehirn das Lernen beeinflussen und dass das Lernen den Menschen während des ganzen Lebens begleitet. Neben dem Erwerb von Wissen wird daher auch der Erwerb von Lerntechniken und der Lernstrategien wichtig.
Man kann einen Menschen nicht lehren,
man kann ihm nur helfen, es in sich selbst zu tun.
Galileo Galilei
Einmal gelernt, Wissen für immer?
Die Anpassungsfähigkeit des Gehirns an neue Gegebenheiten wirkt sich auch auf die Entfaltung des Begabungspotentials aus. Die erworbenen Fähigkeiten (Wissen und Leistung) sind unter diesen Voraussetzungen nicht konstant; sie können sich ein Leben lang verändern. In der Kindheit geschieht dies dank der hohen die Plastizität Gehirns schneller und nachhaltiger, im Alter langsamer und mit mehr Aufwand verbunden. Der schulische Unterricht und der externe Förderunterricht können also durchaus das Potential eines Kindes fördern, wenn sie auf Begabungsförderung ausgerichtet sind.
Bedeutend drastischer formulierte Professor Dr. Lutz Jänke vom Lehrstuhl für Neuropsychologie an der Universität Zürich an der Netzwerktagung 2005 den Einfluss der Plastizität des Gehirns auf das Wissen und Lernens. Sein Schlagwort lautet:
USE IT OR LOOSE IT
Benutze dein Gehirn oder verliere gelernte Fähigkeiten.
In seinem Referat (siehe unter Forschung: Das begabte Gehirn) zeigt er auf, warum Training und Herausforderung für die Entwicklung des Gehirns und die Entfaltung des Potentials wichtig sind. Lernstrategien und Wissen, die lange Zeit nicht gebraucht werden, können wieder vergessen gehen. Kinder, die sich über lange Zeit nicht kognitiv anstrengen müssen, können denkfaul werden und verlieren die Lust am Lernen. Dies kann sich auch auf die Schulleistungen auswirken.
Fazit: Welche Konsequenzen müssen gezogen werden?
Im Zentrum jeder Betrachtungsweise steht die Plastizität des Gehirns. Seine Fähigkeit zur ständigen Veränderung macht Lernen als eine reine Vermittlung von Informationen sinnlos. Gleichzeitig bietet es aber auch eine grosse Chance, in dem es den Menschen flexibel und anpassungsfähig für seine Umwelt macht.
Prof. Dr. Willi Stadelmann spricht in seinem Fazit "Frühe Förderung und lebensbegleitendes Lernen aus neuropsychologischer Sicht (siehe unter Forschung: Lebensbegleitendes Lernen)" von einem lebensbegleitendem (lebenslangem) Lernen.
Das Kind wird so früh wie möglich individuell gefördert und lernt Lernstrategien für das spätere Leben. Er stellt bei der frühen Förderung Sprachen, Musik, Gestalten, Sport und soziales Verhalten in den Vordergrund. Dabei wird ausser Acht gelassen, dass ein Kind auch schon früh seine räumliche Umgebung erforscht. Es dehnt sein Interesse von der elterlichen Wohnung, über den Garten und den Wohnort bis hin zur ganzen Welt und ins Weltall aus. Dabei kommt es mit den Wissengebieten der Biologie, der Geographie, der Technik usw. in Kontakt. Sie bieten eine Vielfalt von weiteren Förderungsmöglichkeiten an.
Fördern heisst hingegen für Professor Dr. Lutz Jänke ( Referat "Das begabte Gehirn (siehe unter Forschung)") die Herausforderung suchen und Leistungen fordern. Er weist darauf hin, dass ein frühe, intensive und lang anhaltende Förderung wichtig sind.
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